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Neben der Spur...

19.07.2017 von Conny | Kategorien: Gesundheit

...oder "unnormal" zu sein unter Normalen. Heute möchte ich über ein sehr weit verbreitetes aber dennoch für viele unangenehmes Thema schreiben. Depressionen und damit gut zu leben oder den Ausweg finden.

Gerne werden diese Menschen in eine Schublade gesteckt ohne die Hintergründe zu kennen;  Krankheit (körperlich), Traumata, Verlust eines geliebten Menschen,  Fibromyalgie, vererbt, scheiß Kindheit, verkorkste Ehe, Schuldgefühle, etc. Um mal einen kleinen Teil zu nennen, wie man in eine Depression rutschen kann. Ja genau... rutschen. Schleichend und ohne zu bemerken, was eigentlich mit einem nicht stimmt.
Jeder fühlt sich gelegentlich deprimiert und an manchen Tagen niedergeschlagen, traurig oder unzufrieden mit dem Leben. Bei einigen Menschen können diese Gefühle aber sehr lang anhaltend sein oder nicht ertragbar werden. Meistens fühlen sich diese Menschen hoffnungs- und wertlos und bewältigen ihren Alltag und ihr, wenn noch vorhanden, Sozialleben nur mühsam. Aber dazu muss eine Depression erstmal erkannt werden. 
Es gibt viele verschiedene Arten:

  • Unipolare Depression
  • Bipolare Depression
  • Periodisch auftretende depressive Phasen
  • Saisonale Depression und die Postnatale Depression

um mal einige zu nennen. 

Ich möchte aber nicht auf die medizinische Schiene eingehen, bin ja auch kein Arzt, sondern auf die Gefühlsachterbahn und die Machtlosigkeit, von der man manchmal betroffen ist. Das Gefühl zu haben, da kommt man nicht mehr raus, sich immer wieder unter Druck zu setzen und bloß nichts anmerken lassen im Umfeld. Was könnten die anderen denn von einem denken? Ausreden suchen, sich verstecken oder gar von allem zurück ziehen. 
Eine Maske aufsetzen und sofern es möglich ist zu lächeln. Man bekommt nachher so gut Übung darin, dass es filmreif ist. An guten Tagen schafft man das hervorragend, an schlechten Tagen möchte man sich am liebsten in Luft auflösen...
Und dann kommt der Tag, an dem man merkt, dass es ohne Hilfe nicht mehr geht. Aber dazu muss man erstmal die Hemmschwelle überwinden und es sich selbst eingestehen. Wenn man das geschafft hat, geht die Suche los nach einem Arzt, der einen zum einen ernst nimmt, aber nicht direkt in die Klapse stecken will... und zum anderen nicht selbst einen an der Klatsche hat. 
Also was machen die meisten? Google oder Facebook fragen... teilweise mit ganz fatalen Folgen. Es tummeln sich extrem viele Hobby-Psychologen in den Foren und Gruppen rum, dass es einem Angst macht. Jeder Zweite kannte mal einen, der einen kannte, der Depressionen hatte und wo das und das geholfen hat... bis hin zu Empfehlungen von Medikamenten, die man ausschließlich im Internet beziehen kann!! Manches Mal musste ich zweimal lesen, um dann festzustellen: das steht tatsächlich da. Wie leichtsinnig einige mit ihrer Psyche umgehen erschreckt mich immer wieder. Das nur mal am Rande... ich schweife ab...
Menschen, die einigermaßen noch klar denken können (ich schreibe hier wirklich über leichte bis mittelschwere Depressionen), wissen, dass es keinen Sinn macht, weiter zu suchen... also fragt man mal gaaaaanz vorsichtig nach bei Freunden oder Bekannten etc.
Man hätte einen Bekannten, der einen Therapeuten sucht, weil er das und das erlebt hat...
Je nach dem welche Freunde man hat (die Besten merken übrigens ganz schnell, was los ist), bekommt man gute Therapeuten empfohlen. Aber die haben auch eine Warteliste von bis zu 10 Monaten. Und schon denkt man "Och nööö, dauert mir zu lange, geht auch so, kauf ich mir halt Baldrian."
Bei einigen klappt das, bei anderen denkt der Körper sich einfach, nicht mehr zu funktionieren. Natürlich gibt es auch oftmals Diagnosen, mit denen man sich erstmal beruhigen kann... also doch nicht die Psyche, HA! Als hätte man das schon lange gewusst, setzt man wieder die Maske auf und der Kreislauf geht von vorne los. Im Vergleich mit einem Auto wäre das so, als wollte man auf Reserve noch bis Spanien fahren... oder als Einbeiniger mit dem Roller...
(Ok, das war gemein, sorry an alle Einbeinigen)
Gefangen in seinen Gedanken oder bei manchen auch in einem Leben, wo es zu dem Zeitpunkt augenscheinlich kein raus kommen gibt...

Gibt es; immer!
Es fängt damit an, sich wirklich jemandem anzuvertrauen. Ehepartner, Eltern, Geschwistern oder guten Freunden.
Hat man keine Freunde, oder keine Freunde mehr, gibt es Anlaufstellen wie z.B. die Diakonie. Oder man ruft die Krankenkasse an, die haben immer gute Adressen für die Erstversorgung. Optimal wäre es, einen guten Hausarzt, einen guten Psychiater (für die Medikamente falls notwendig) und einen guten Therapeuten/in zu finden.
So viel dazu.

Danach kommt die größte Herausforderung in Form von sich den Spiegel vor das Gesicht halten und die wirkliche Einsicht zu bekommen, wie krank man ist. Wichtig natürlich auch: Die richtigen Medikamente verschrieben zu bekommen.
Es gibt Mengen an Anti-
Depressiva, teilweise gefährlich, wie ich finde, einige kommen vom Regen in die Traufe was Emotionen angeht. Von Gefühlskälte bis Desinteresse am Leben ist alles dabei. Aber wenn der Arzt das sagt, muss man die nehmen... Nein! Muss man nicht, wenn man nach einiger Zeit keine Besserung sieht, sondern das Gefühl hat, es wird schlimmer, offen ansprechen und ggf. etwas anderes ausprobieren in Begleitung der Ärzte. Nicht vergessen: Es ist euer Leben und die Nebenspur ist mal ganz nett, aber kein dauerhafter Zustand. Und einfach mal auf seinen Körper hören, ist gar nicht schwer, nur manchmal will man nicht hören. Alles andere ist immer wichtiger...

Natürlich gibt es Arten von Depressionen die so schlimm sind, dass nur harte "Medikamente" helfen. Davon rede ich hier aber nicht. Aber davon, dass man schnell mit den falschen Tabletten plötzlich "Suizid-Gedanken" bekommen kann, weil es eine Nebenwirkung sein könnte! Und dass man ganz schnell in eine jahrelange Abhängigkeit gerät. Und da rauszukommen, ist noch mal eine Portion mehr Arbeit, wofür man körperlich und mental fit sein muss.

Übrigens haben Männer es schwerer, sich Depressionen einzugestehen. Männer werden oftmals anders erzogen. Von klein an bekommen die meisten eingetrichtert:  Nur Mädchen weinen, Indianer kennen keinen Schmerz, verhalte dich nicht wie ne Pussy, sei ein Mann, Gefühle zeigt man nicht, die machen einen angreifbar, usw.... Was soll man dazu sagen? 
So ein Quatsch natürlich, heute weiß man, dass es völliger Unfug  ist und zum Glück gibt es ein Umdenken in den letzten Jahren. Aber einige stammen eben noch aus dieser Zeit, wo es normal war, seinen Sohn so zu erziehen. Liebe Männer, lasst euch gesagt sein: wir Frauen finden es überhaupt nicht schlimm, wenn ein Mann Gefühle zeigt oder auch mal weint. Außerdem auch nicht, wenn ein Mann zugibt, dass etwas nicht mit ihm stimmt oder er verletzbar ist. Es ist unglaublich, wie viele Männer noch mit Schuldgefühlen aus ihrer Kindheit rum rennen und sich wundern, wenn der Rücken kaputt geht. (Kein Wunder bei der Last) Männer machen schneller dicht und ziehen sich komplett zurück, um in einer Art Seifenblase zu leben, bis der Körper resigniert und - zack, die Seifenblase platzt...
Traut euch, offen zu reden bei den Personen eures Vertrauens, ich kann euch versichern, es gibt mittlerweile sehr viele Männer, die davon betroffen sind. 
Und man ist kein Weichei, wenn man um Hilfe bittet, was für euch natürlich nochmals schwerer ist als für uns Frauen. Kurz mal eingeworfen, ich schweif wieder ab...

Depressionen sind eine ernst zu nehmende Krankheit, und die meisten Formen heilbar. Sie wird wohl immer Teil eines Lebens bleiben, aber man kann lernen, damit zu leben. Vorausgesetzt man findet die richtigen Ärzte und lässt sich helfen, auch von guten Freunden oder Gleichgesinnten. Es bedarf großen Mut weil man eben nicht in eine Schublade gesteckt werden möchte, vielleicht hat man das mit anderen früher auch gemacht. Sowas passiert ja oft nur anderen...
Und denkt daran: Etwas zu verdrängen ist die einfachste Lösung, doch auf Dauer tötet es eure Seele. Und gute Freunde helfen dir Dinge wieder zu finden, wenn du sie verloren hast. Dein Lächeln, deine Hoffnung und deinen Mut! 
Bis zum nächsten Mal, bis bald.