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Das Innere Kind....

17.08.2017 von Conny | Kategorien: Philosophisches | Gesundheit

......oder Männer werden 7, danach wachsen sie nur noch.
Kleiner Scherz, heute schreibe ich mal nicht über meine Lieblingswesen, sondern über ein sehr, sagen wir mal, seltenes Thema. Dabei plaudere ich ein bisschen aus dem Nähkästchen, ausnahmsweise und nicht viel.

"Das Innere Kind"
Als ich diesen Begriff das erste Mal gelesen habe bekam ich einen Lachkick:
Ich stand in der Reha vor der Info Wand nach meinem 2. Tag um zu sehen was man Abends dort alles so machen kann um die Zeit Tod zu schlagen oder sich abzulenken. Dann sah ich ein Plakat:

HÄKELN MIT DEM INNEREN KIND
"Häkeln Sie mit uns um ihr Inneres Kind zu finden, Frösche, Enten oder was auch immer das Tier Ihrer Kindheit war. Reden und debattieren Sie mit Ihrem Inneren Kind während der geselligen Häkelrunde."....
BÄM, Zack: Lachkick. Ich stellte mir vor wie ich in "geselliger Runde"
hardcorehäkelnd versuche eine Ziege zu kreieren...und dabei wie eine Bekloppte mit mir selbst rede bzw. zu meinem Inneren Kind und mich zusammen stauche weil ich heimlich an den Süssigkeitenschrank gehe...zum 50 mal...oder versuche zu singen......(was ich gar nicht kann) oder mich anschnauze weil ich vor meiner ersten Liebe mit dem Klapprad zusammenklappe beim Fahren und mir den Zeh einquetsche weil keiner von uns das Rad auseinander geklappt bekommt. Und er sich totlacht und zuguckt bis der rettende Vater herbeieilt. (Trauma Erlebnis mit 8) Er sieht heute übrigens selbst aus wie ein Klapprad. Karma halt.  Ich stand vor der Wand und musste wirklich so lachen ganz in Gedanken das mich die vorbei gehenden Mitpatienten komisch anschauten. Ich meine man steht da mit einem Umweltbeutel, den man am ersten Tag in der Klinik bekommt, worin der Therapieplan ist,  dicker Jacke, Jogginghose und Hausschuhen (Knallrot mit Strass Steinchen) wie eine Schaufensterpuppe bei der Caritas, bekommt einen Lachkick der ins Heulen übergeht  und keiner weiß warum. (Ich hatte zuvor schlechte Nachrichten von zu Hause erhalten)
Ich vermute mal die Vorbeigehenden hielten mich für eine Durchgeknallte oder Norman Bates...Nun gut, das Lachen siegte und ich gestehe auf dem Zimmer hab ich zwischen dem weinen  weiter gelacht. Und als ich abends  die "gesellige Runde" in der Cafeteria sah, erst Recht. Im Verlauf der Reha habe ich nie wieder an dieses Thema gedacht.  Natürlich redet man über seine Kindheit und was man alles erlebt hat mit Gleichgesinnten dort, aber niemals hätte ich vermutet was hinter dem Begriff "Inneres Kind" steht. Im Laufe der letzten Monate habe ich mich aber sehr wohl damit beschäftigt, auch weil ich dieses Thema immer wieder irgendwo las oder Menschen sich darüber unterhalten haben. Und weil ich darum gebeten wurde, nach einem langen Gespräch, meine Sichtweise dazu nieder zu schreiben. Ich denke auch viele meiner Leserinnen und Leser kennen dieses Thema. So, genug um den heißen Brei geschrieben. Hier nun eine Erklärung in Kurzfassung, die hinter diesem Begriff steht:

"Das Innere Kind ist ein therapeutisches Konzept, das von John Bradshaw in den 1970er und 80er Jahren entwickelt wurde. Das Innere Kind symbolisiert dabei alle - teilweise unbewussten - Gefühle, Erlebnisse und Erinnerungen aus der eigenen Kindheit. Verletzungen, Zurückweisungen, Liebesentzug und Traumatisierungen in der Kindheit führen häufig dazu, dass das verwundete Innere Kind zum Schutz vor belastenden Erinnerungen abgekapselt wird und Menschen die Verbindung zu ihren kindlichen Gefühlen und Erinnerungen verlieren. Das Ziel der therapeutischen Arbeit mit dem Inneren Kind besteht darin, sich dem Inneren Kind liebevoll und akzeptierend zuzuwenden und wieder Zugang zu kindlichen Gefühlen, wie Freude, Neugier und Lebenslust zu erhalten.

Bradshaw sah einen engen Zusammenhang zwischen kindlichen Verletzungen, einer (dysfunktionalen) Familie und späteren psychischen Störungen (paranoide Persönlichkeitsstörung, Borderline-Persönlichkeitsstörung, selbstverletzendes Verhalten). Wer als Kind wenig Liebe und Anerkennung in der Familie erfahren hat oder traumatisiert wurde, entwickelt oftmals intensive Scham und Angstgefühle, die dazu führen, dass Gefühle aus der Kindheit teilweise oder vollständig ausgeblendet und abgekapselt werden.

Das unterdrückte, verwundete und abgelehnte Innere Kind, zeigt sich beim Erwachsenen in irrationalen, überschießenden Reaktionen bei kleinsten Kränkungen (paranoide Persönlichkeitsstörung), selbstverletzendem Verhalten (Ritzen), einem beschädigtem Selbstwertgefühl und tiefgreifender Unsicherheit, Anfälligkeit für Süchte oder einem übermäßigen Streben nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. Auch generalisierte Angststörungen können nach Bradshaw mit dem abgelehnte Innere Kind erklärt werden.

Die Vorstellung vom Inneren Kind folgt der psychoanalytischen Tradition: Bereits Freud unterschied mehrere Instanzen (ES - ICH - ÜBERICH) und glaubte, dass unbewusste, abgespaltene Konflikte die Hauptursache für viele psychische Störungen darstellen."

 Also eigentlich kein lustiges Thema und sehr tiefgreifend. Ich entschuldige mich bei allen Damen und Herren die an dem Abend fleißig gehäkelt haben...so viel Zeit muss sein, ich wusste es nicht besser. Bin aber immer noch davon überzeugt das Gruppen-Tierchenhäkeln nicht hilft. Aber das ist meine persönliche Meinung und ich gestehe ich muss schon wieder schmunzeln beim Gedanken an die gesellige Runde und die zum Glück nicht von mir gehäkelte Ziege.

"Durch die therapeutische Arbeit mit dem Inneren Kind soll es den Betroffenen wieder gelingen, Verbindung zu ihren kindlichen Gefühlen und Erinnerungen aufzunehmen - zu den negativen, besonders aber auch zu den positiven Gefühlen, wie kindliche Freude, Neugier und Lebenslust. Bradshaw setzte dazu meditative Übungen ein, in denen sich der Erwachsene seinem Inneren Kind liebevoll und wertschätzend zuwendet, um sich um seine Bedürfnisse und Ängste zu kümmern.
So lernen die Betroffenen, ihrem Inneren Kind die Wertschätzung und Anerkennung zukommen zu lassen, die ihm gefehlt hat, und negative Gefühle und Erinnerungen nicht zu verdrängen, sondern anzunehmen und aus der Distanz neu zu bewerten.
Auch wenn die therapeutische Arbeit mit dem Inneren Kind weit verbreitet ist, fehlt es an empirischen Studien, die die Grundannahmen oder die Wirksamkeit des Ansatzes stützen."

Ich finde das sehr interessant. Ich meine es gibt ja kaum jemanden der eine tolle unkomplizierte Kindheit hatte, dass er jetzt ein Erwachsener ist ohne Fehler oder Ängste, die eben auch aus der Kindheit stammen könnten. Wenn ja, kannst du hier aufhören zu lesen oder weiter lesen und irgendwann Klugscheißern.  :-)

Diese Therapieform bringt zum Teil negative Erfahrungen und damit verbundenen Gefühle wie Schmerz, Trauer oder Wut zum Vorschein die tief vergraben waren. Man kann zwar diese negativen Erfahrungen verleugnen, was vielleicht bis zu einem gewissen Grad hilft, aber die evtl. vorhandenen Probleme nicht löst. Wiederkehrende Problematik, auch körperlicher Art, könnte dafür sprechen dass in der Kindheit etwas völlig schief gelaufen ist. Kein Arzt findet eine richtige Diagnose und wir sind wieder bei dem Begriff: Seelisch bedingte Krankheit...

Wie schon in dem Artikel über Depressionen erwähnt, bildet man sich natürlich unerträgliche Schmerzen ein lt. den  meisten Ärzten oder Angehörigen. Keiner kann aber wirklich nachempfinden wie es sich anfühlt ständig Schmerzen zu haben. Und nichts hilft auf Dauer. Man kann die schlimmsten Krankheiten bekommen oder Blockaden die nicht therapiert werden können und weiß vielleicht nicht warum. Eine Möglichkeit wäre aber sich die eventuelle  "Brandmarke" aus der Kindheit mal näher anzuschauen:

Ein Mensch der als Kind unerwünscht war.  Aus welchen Gründen auch immer, und das zu spüren bekommen hat, kann als Erwachsener nicht mit Ablehnung umgehen und wird sich oftmals "unerwünscht" fühlen.  Kann dadurch Komplexe bekommen. Schuldgefühle weil man  z.B. "mitten ins Leben gepfuscht hat" obwohl die Eltern noch so viel vor hatten, aber keine Schwangerschaft. Kinder die aus One Night Stands entstanden sind oder wo ein Elternteil plötzlich verhasst ist und das Kind genauso aussieht. Das sind sehr oft diese Erwachsenen die alles richtig machen wollen oder es jedem recht um nicht "abgelehnt" zu werden.  Sie könnten sich aber auch zu Rebellen entwickeln durch zu große Ablehnung, denn ein rebellisches Verhalten bekommt Aufmerksamkeit. Kindern ist das in dem Moment egal, Hauptsache Aufmerksamkeit von den doch geliebten Eltern.

Ein distanzierter oder narzisstischer Vater, eine perfektionistische Mutter, ein autoritärer Großvater, eine zerrissene Familie. Armut oder Reichtum. Eltern die erwarteten dass ihr Kind ihr nicht erreichtes Leben leben oder ihre Kinder als Prestige-Objekte betrachteten. Vernachlässigung oder in Watte gepackt wurden und aus der Angst heraus verhätschelte Kinder, die Eigenständigkeit und freien Willen nicht kennen lernen durften. Kinder die nie Konsequenzen spürten oder sogar schlimmsten falls geschlagen,  unterdrückt oder eingesperrt wurden. Alkoholismus oder Drogen innerhalb der Familie, das innere Kind kann durch all jenes verletzt werden, was ihm seine Kindheit zerstörte. Es trägt traumatische Kindheitserfahrungen mit sich herum, die sich im Erwachsenenalter manifestieren.

Schuldgefühle die man aus der Kindheit "mit schleppt" lassen einen Menschen ein Leben lang "sich schuldig" fühlen. Auch wenn sie es nicht sind. Das schlechte Gewissen für alles Mögliche wird ihr Lebensbegleiter. Sie können schlecht Nein sagen und werden oftmals ausgenutzt. Trennungskinder kennen das nur zu gut: Eltern streiten sich, die Ehe ist eh schon im Eimer,  vlcht. ab und an mal über die Erziehung oder generell über die Kinder. Diese wiederum hören die Streitgespräche und die logische Schlussfolgerung eines Kindes lautet: Die streiten wegen mir. Ich bin Schuld....

Ältere Kinder  die auf ihre kleineren Geschwister aufpassen müssen, obwohl sie selbst noch zu jung sind, es passiert wirklich was weil sie noch gar nicht die Verantwortung übernehmen können,  machen sich teilweise ein Leben lang Vorwürfe weil sie "Schuld" sind das ihrem Geschwisterchen was passiert ist. Sie tragen mit so jungen Jahren dieses "Verantwortungsgefühl" mit sich rum, das lässt sich als Erwachsener kaum ablegen. Auch wenn den Geschwistern nichts passiert ist, weil Kinder ja nicht selten mehr Glück als Verstand haben, fühlen sie sich verantwortlich für ihre Geschwister, ein Leben lang.

Familien in denen in der Kindheit niemals über Gefühle gesprochen wurde, gibt es häufiger als ich vermutet habe. Gefühle der Kinder wurden nicht ernst genommen. Kinder die nur geliebt wurden wenn sie Leistung erbracht haben, zumindest haben die Eltern es nur dann gelobt, sind die Erwachsenen die sich ein Leben lang nur über Leistung definieren. Geweint werden darf nicht. Traurig sein auch nicht. Nicht 100 % funktionieren erst recht nicht. Wiederworte geben auch nicht. Eigene Meinung haben schon mal gar nicht. Schmusen sowieso nicht.  Gefühle sind Firlefanz. Das sind auch die Menschen die weg rennen wenn ihnen zu viel Gefühl entgegen gebracht wird. Das kennen sie nicht also ist es für sie kaum anzunehmen. Sie haben gelernt "alleine" mit ihren Gefühlen zu sein und da Kinder einen "Selbsterhaltungstrieb" besitzen, lernen sie ganz schnell ihre Gefühle nicht zu zeigen und sich damit zurück zu halten und zu ziehen. Das sind die sogenannten "Kopfmenschen". Perfektionisten. Sie haben in ihrer Kindheit gelernt Emotionen nach Möglichkeiten auszuschalten. Sie verlassen sich nur auf ihren Verstand. Sie überdenken Probleme, wägen Vor. - und Nachteile ab und lassen ihr "Bauchgefühl" in der Regel außer acht. Sie können gut analytisch denken und entscheiden oft rational statt emotional. Gefühle machen sie unsicher, die kann man nicht kalkulieren. Sie möchten manchmal gerne über ihren Schatten springen, schaffen es aber selten.  So haben sie doch in ihrer Kindheit gelernt das nur geliebt und anerkannt wird wer auch Leistung erbringt. Alles andere ist nicht gut genug.

 

Ich habe jetzt nur wenige Beispiele genannt und bin nur auf ein paar  Themen eingegangen.
Einige mögen das jetzt belächeln, so wie ich Anfangs. Das verstehe ich gut. Aber je mehr ich persönlich darüber nachdenke oder recherchiere umso mehr komme ich zu der Einsicht dass etwas Wahres dran ist. Und jeder der Probleme ohne Erklärung hat sollte häkeln.....Nein, sich eventuell einfach nur mal mit dem "inneren Kind" auseinander setzen und wer weiß, vielleicht ist das der Schlüssel zur Genesung. Ich kann euch so viel verraten: Es ist anfangs sehr schwer, sehr emotional und hart sich einen Spiegel vor das Gesicht und sein vergangenes Leben zu halten. Sich selbst zu reflektieren oder sein unerklärliches Verhalten bedarf Mut. Mut sich mit Themen auseinander zu setzen die doch in der Schublade so gut geschlummert haben. Ab und zu haben sie mal raus geschaut, aber da sie unbequem sind bleiben sie darin, manchmal sogar bis der Körper streikt weil sie geheilt werden wollen.


"Geh Du vor, " sagt die Seele zum Körper, "auf mich hört er nicht! Vielleicht hört er auf dich."
"Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für dich haben." sagt der Körper zur Seele.

Steckt viel Wahrheit drin. Solltet ihr den Drang verspüren euch  mit dem Thema mal auseinander zu setzen dann lege ich euch ein gutes Buch ans Herz.
"Das Kind in uns" von John Bradshaw. ISBN 978-3426870518 oder
"Aussöhnung mit dem inneren Kind" von Erika J. Chopich und Margarete Paul
ISBN 978-3548357317

Im Internet findet man natürlich auch eine ganze Menge an Seiten oder Gruppen, die darüber berichten. Aber nicht jede ist seriös und beim Recherchieren habe ich mal wieder gedacht: " Das steht jetzt nicht wirklich da!"
Und so manches You Tube Video habe ich mir gespeichert damit ich es mir anschauen kann wenn ich mal wieder denke:  "Tenwinkel...du bist nicht normal." Spätestens nach dem Video weiß ich wieder das ich es definitiv bin....eben nur anders. :-) 

 

*wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten oder verschenken.

 

 

 

 

 

Quellen:
Psychomeda.de
Spirit-Soul.de
gedankenwelt.de
endero.de