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24.06.2018 von Conny | Kategorien: Philosophisches | Gesundheit

Ja, drei kleine Worte. Drei Worte die mich die letzten 2 Monate täglich begleiten. Heute geht es um Organversagen und was da alles dranhängt. Körperlich sowieso. Aber auch psychisch. Ich möchte meine Erfahrungen mit euch teilen. Mit allen die krank sind oder die Unvorhergesehenes so getroffen hat wie mich. Die denken macht doch alles keinen Sinn. Die aufgeben wollen. Die nicht mehr können. Oder meinen sie können nicht mehr. Die wie Wassertonnen rumrennen müssen. Die chronisch krank sind und vielleicht deshalb Gewicht an sich hängen haben und sich damit überhaupt nicht wohlfühlen. Die komisch angeguckt werden. Die wie Hamster aussehen durch das Cortison. Die, die mit ihren Organen reden, so wie ich. Die, die sich jeden einzelnen Tag vor Augen führen müssen das ein Kampf sich immer lohnt, wenn man leben will. Wenn man dankbar ist. Wenn man das Leben eben nicht mehr als selbstverständlich ansieht. Aber Achtung, ich habe einen merkwürdigen Humor. Ich möchte niemanden verletzen, ich nehme mich gerne selbst auf die Schippe und kann mich über Sachen bei mir lustig machen. Was aber nicht heißt, dass es jeder so wegsteckt.

Wodurch auch immer sowas passiert, es ist das Beschissenste was ich persönlich je erleben musste. Und ich habe schon einiges hinter mir. Du bist macht.- und hilflos. Hast keinen Einfluss auf irgendetwas. Du kannst nichts tun und bist ausgeliefert. Vergewaltigt vom Schicksal und abhängig von der Pharmaindustrie. Heraus katapultiert aus deinem Leben. Von jetzt auf gleich. Dein Körper funktioniert nicht mehr. TILT!

Kann passieren durch Medikamente. Schmerzmittel, Antibiotika oder einfach so. Ich habe mein Leben lang schon oft welche genommen. Immer leichtfertig irgendwie. Wird schon nichts passieren. Heute denke ich anders. Auch was generell Medikamente angeht. Ibuprofen, Diclofenac und sämtliche schöne bunte Pillen, die wie Bonbons gegessen werden und worüber nicht richtig aufgeklärt wird. Vitamine die man an jeder Ecke kaufen kann. Die aber auch einiges anrichten können. Viel zu wenige Menschen machen sich Gedanken darüber. Ich früher auch nicht. Ernährung generell. Warum auch? Liegt ja in der Natur des Menschen erst nachzudenken, wenn du da liegst und nicht weißt ob du überlebst. Und erst dann weißt du auch was richtige Angst ist. Ich habe keine Angst vor dem Tod, die meisten meiner Leser kennen meine Einstellung dazu. Aber nicht so und nicht in dem Moment. Nicht ausgeliefert und schon gar nicht in einem Krankenhaus. Und schon gar nicht in DEM Krankenhaus. Und überhaupt nicht mit der Frisur. Und sowieso habe ich jetzt genau den Job gefunden, den ich wollte. Falscher Zeitpunkt zum Sterben.
Angst! Es war mehr die Angst davor, dass es gerade so gut geht und du den Rest deines Lebens irgendwelche Maschinen benötigst. Mir war klar wie ernst die paar Tage und meine Situation waren. Aber ich habe es nicht weitergegeben und nicht darüber geredet. Bloß nicht aussprechen. Denn dann wird es erst real. Und du möchtest nicht, dass sich deine Lieben bekloppt machen. Meine kleine Schwester die immer an meiner Seite war. Wir haben beide schon 2 Schwestern verloren. Du guckst in die Augen, das reicht.  Sofern du sie liebst.
Du denkst wirklich über dein gesamtes Leben nach in den Nächten wo du wach liegst.

Hätte, wenn und aber... Was habe ich alles falsch gemacht. Was habe ich richtig gemacht. Du musst vielen Menschen noch einiges sagen. Du hast noch so viel vor. Womit habe ich meine Zeit verschwendet? Was war schön in meinem Leben? Was machst du, wenn es gut geht? Es geht gut! Du kämpfst! Nein, ich habe keine Kraft. Doch, hast du! Nein, es reicht, ich kann nicht mehr. Doch! Aufgegeben wird bei Post! (Mein Lieblingsspruch mittlerweile)

Das alles spielt sich innerhalb kürzester Zeit ab und du entscheidest dich im Prinzip schon in dem Moment wo du nachdenkst. Würde dein Kopf und dein Körper aufgeben wollen tut er das. Er hat in dem Moment die Macht darüber.  Dann denkst du auch nicht mehr nach, denn dann ist es dir scheißegal. Und somit lenkst du deine Angst in eine andere Richtung.

MUT!
MUT bedeutet etwas zu riskieren wo du das Ende nicht kennst. Angst kostet Kraft! Mut braucht Kraft! Ich habe das einzig richtige gemacht. Meine Reserven mobilisiert und sie u.a. aufgepeppt mit wahnsinnig vielen lieben Menschen, die mir immer geschrieben haben. Mich besucht haben. Allem voran natürlich der Mann an meiner Seite. Das war nicht immer so. Aber jetzt! Im schlimmsten Moment meines Lebens war er da! Das ist es was zählt! Sonst nichts. Alles andere ist reine Zeitverschwendung. Und ihr glaubt nicht wie viel Energie man bekommt, wenn so viele an einen denken und dir positive Wünsche schicken.  Oder du die sorgenvollen Blicke siehst bei deinen Lieben. Weil sie im Prinzip wissen wie ernst es ist, sie hatten mich noch nie so gesehen.

Wo nimmt man Reserven her, wenn man keine hat? Weiß ich auch nicht. Aber hat funktioniert. Vermutlich, weil ich eine Frau bin, die stirbt nicht mit so einer Frisur. Hinzu kommt ich habe mal die Führung übernommen und ein ernstes Wort mit meinen Nieren gesprochen. Die können sich ja nicht immer so ausdrücken dem Körper gegenüber. ^^ Ich wusste die müssen ordentlich arbeiten in der nächsten Zeit. Von 51 auf 69 Kilo. Reines Wasser. Vorher völlig unterernährt aus Ärztesicht. Ich sehe das anders. 55 sollten es schon sein. Und da bin ich fast, bis auf 2,2 Kilo. In 44 Tagen.

Nein, im Ernst, ich habe wirklich mit meinen Organen geredet. Und mir innerlich vorgestellt wie sie heilen. Nun muss ich dazu sagen, ich hatte eine gute Fachklinik, die Ärzte wussten was sie machen. Die Erste nicht. Aber da werde ich mich nicht zu äußern. Das kostet unnötig Energie, die ich lieber in Essen investiere. Denn das ist mein neuestes Hobby. Und das schmeckt, kann ich euch sagen. Alles! Und immer. Wo war ich stehen geblieben, ich schweife ab…..wie immer…achso, genau:

Willen!
Und man mag es glauben oder nicht: die miesen Gedanken sind weg! Reines positives Denken stellt sich ein. Ha! Nicht mit mir! Ich schaff das! Step by Step. Geduld! Das war und ist meine größte Herausforderung!!! Ich hasste Geduld. „Wir sagen Ihnen nächste Woche Bescheid.“ „Ok, ich warte…“ mein Motto, immer. Jetzt nicht mehr. Ich bin die Geduld in Person. Ok, nicht beim Essen…gebe ich zu.
Was der menschliche Wille auslösen kann, hatte ich ja schon mal in anderen Artikeln erwähnt. Unglaublich.

Ja, und dann bist du über dem Berg und siehst aus wie ein Wasserschwein. Gatoradetonne. Fühlst dich wie ein Wasserbett. Nur nicht so gemütlich. Stehst vor dem Spiegel und kannst gar nicht fassen was du da siehst. Und plötzlich hast du Mitleid mit allen Kräftigen dieser Welt. Du WEISST wie sie sich wirklich fühlen. Zumindest die, die darunter leiden. Deine Taille ist weg! Da sitzen undefinierbare Rollen drauf. Es fängt unter dem Bauch an und hört am dicken Zeh auf. Als ich mich im Spiegel gesehen habe, weinte ich wirklich bitterlich. Das war für mich kein Körper. Ich war Mrs. Puff, der Kugelfisch von Spongebob. Ich meine das war echt hart. Alt und plötzlich dick ist auch gemein. ^^ Die Haare fallen aus. Deine Äderchen platzen. Einem Kannibalen wäre beim Anblick meiner Beine das Wasser im Mund zusammengelaufen. „Saftiges fettes Stück Fleisch.“ „Ne Scheibe Bauchspeck dazu…“
Aber gut, es nutzte ja nichts in ein Selbstmitleidloch zu fallen. Davon wird es nicht besser. Also, zusammenreißen und durch. Solange ich im Krankenhaus war, kein Problem, da laufen viele Mrs. Puffs rum. Und ich musste mir immer anhören: „das geht doch noch, stell dir vor du wärst vorher dicker gewesen. Endlich siehst du mal gesund aus!“ „Jaaaa, genau…hahahaha“ und du lachst einfach mit. Aber es tut weh, wenn man immer viel Wert auf sein Äußeres gelegt hat. Ob du willst oder nicht. Du weißt wichtig ist das die Organe wieder funktionieren und der Rest sich findet, aber es knabbert. UND ES TREIBT DICH AN! Also mich zumindest. Der erste Schritt war wieder in meine geliebten Turnschuhe zu passen. Das war ein Gefühl als es soweit war. So wie ein heißer Toast mit Nutella.

Ich habe das alles für mich so schlimm empfunden, bei anderen nicht. Aber ich werde nie wieder denken sie nehmen das alles so hin wenn sie keine Möglichkeit haben es zu ändern. Und damit leben müssen. Den Blicken ausgesetzt wenn die Leute gucken. Viele machen das ja nicht extra, ich habe es erlebt mit kurzer Hose und Kompressionsstrümpfen. Sieht halt komisch aus. Aber die Hemmschwelle zu überwinden kostet schon Überwindung. 

Und mein neuer Job hat mich angetrieben.  Ich meine man muss sich das mal vor Augen führen:

Ich hatte ja meinen alten Job gekündigt, weil es nicht mehr für mich gepasst hat. Dann habe ich doch tatsächlich das wahnsinnig große Glück bei einem alten Arbeitgeber wieder anzufangen. Genau das was ich wollte. Und dann passiert sowas! Welch ein Segen ist das einen Arbeitgeber zu bekommen der sagt: „Dann fangen sie halt ein bisschen später an, sowas sucht sich doch keiner aus.“ In der heutigen Zeit unbezahlbar!

Aber davor waren noch die Nächte wo ich im sitzen schlafen musste, weil ich so voller Wasser war, dass ich mich übergeben musste, wenn ich mich hingelegt habe. Wasser… Das war so furchtbar. Und wieder musste ich bitterlich weinen. Auch vor Wut. Das sind die schwachen Momente, wo dich keiner sieht. Du guckst in den Spiegel und das Mondgesicht glotzt dich an: „Morgen ist ein neuer Tag, und jeder Tag hat seine eigenen Sorgen. Nicht aufgeben. Heul, und dann ist gut."

Über eine Woche habe ich SALZLOS essen müssen! Nur 500 ml am Tag trinken, bei 30 Grad im Schatten! DAS WAR DIE HÖLLE! Da willst! du sterben, weil alles so eklig ist!!  Du schmeckst nichts, du riechst anders, alles riecht eigenartig nach Gummi, dein Mund klebt. Deine Augen sehen nicht richtig, der Kopf dröhnt. Du bist wie benebelt. Ich schwöre als ich das erste Mal wieder richtig essen durfte…ein Kotelett! Ich gebe zu, hätte jemand versucht mir das zu stehlen, den hätte ich gepfählt und geköpft, wie die Osmanen im Mittelalter! Oder wäre über ihn drüber gerollt ohne mit der Wimper zu zucken! ^^

Essen ist Lebensqualität!
Ich habe meine komplette Ernährung umgestellt. Es gibt für mich fast keine Chemie mehr. Bzw. Fertigprodukte. Ich ernähre mich gesund! Wer hätte das mal gedacht? Ich nicht. Ich frühstücke jeden morgen. Ich esse im Prinzip fünf mal so viel wie vorher. Auch Sachen die sich eher wie ne Krankheit anhören und nicht wie etwas zu essen. Aber meinen Erfolg erreiche ich auch zu 50 % über die Ernährung. Ich bin eine wandelnde Pharmafabrik, obwohl ich da eine geteilte Meinung zu habe. Ich mache im Prinzip alles was mich nach vorne bringt. Immer ein bisschen mehr. Ich habe in den letzten Monaten viele Menschen kennen gelernt die chronisch krank sind. Leider ignorieren sie die Ratschläge ihrer Ärzte. Oder essen weiter wie ne Kaffeetante. Volles Programm. Hören nicht auf ihren Körper. Leider. Ich weiß wie wichtig es ist. Und wie hilfreich für die Organe, sie zu unterstützen. Ich trinke ekelhaften Birkenblättertee. Z.b. Aber ich verüble es ihnen nicht, freier Wille. Generell denke und handel ich anders. Kann schmunzeln wo ich mich früher aufgeregt habe. Alles unwichtig. Bin sowas von gelassen geworden. Außer beim Football. Ich bin sogar jetzt ein Frühaufsteher. Jeder der mich kennt weiß, mir wurde das Schlafen in die Wiege gelegt. Ich habe mein halbes Leben verpennt! Heute, Wecker geht Zack auf. Auch am Wochenende. Ich genieße einfach die Tage. Mein Leben. Ich arbeite gerne und geh mit einem lächeln hin und auch zurück.

Ich habe auch das große Glück tolle Kinder zu haben. Hier eine kleine Sache die mir so Nahe gegangen ist: Wir haben eine Familiengruppe bei What´s  App. Eines Morgens habe ich aus dem Krankenhaus ein Bild gepostet, weil mein Gesicht so dick war, aufgequollen. Mit dem Text: dicke Mama grüßt euch.  Prompt kamen die Gesichter meiner Männer  mit aufgeputesten Wangen und somit auch dicken Gesichtern. Solidarität zum aufmuntern. 

Es gibt so viele unwichtige Dinge im Leben, denen wir so viel Aufmerksamkeit schenken. Die uns Kraft kosten. Die unnötig sind. Die wir nicht wollen. Oder denken wir können nicht. Doch, wir können alles! Sofern es in unserer Macht liegt. Wir können den Menschen, die wir lieben das sagen. Wir können NEIN sagen. Wir können lächeln. Wir können uns über die kleinen Dinge der Welt freuen. Über Regen, der wichtig ist. Über Sonne, die uns wärmt. Über jeden Tag den wir wach werden. Über gutes Essen mit Freunden oder Familie. Wir können dankbar sein über die ärztliche Versorgung in Deutschland. Ja, auch schätzen das wir hier so gute Medikamente haben, die uns den Arsch retten im Notfall! Wir können umdenken, es ist nie zu spät. Wir können darüber nachdenken auf was es im Leben wirklich ankommt. Wir können uns von negativen Dingen oder Menschen zurückziehen. Und für die wichtigen Sachen und Menschen mehr Zeit nehmen. Wir können eine 2. Chance nutzen. Jetzt werden einige denken, die schreibt das einfach so. Von einfach ist nicht die Rede. Es ist definitiv nicht einfach! Aber möglich! Und da gibt es keine Ausreden und kein Ja, aber! Wer wirklich will, schafft das! Wer nicht, hat schon verloren. Ich will kein Verlierer sein. Das geht gegen meinen Stolz und meine Ehre als Mutter. Ich werde noch gebraucht. Die Küche macht sich nicht von alleine….Ich habe so schöne kleine Hände, wer soll denn sonst die Ecken putzen? In diesem Sinne: nehmt nicht alles so ernst im Leben. Genießt es wenn ihr gesund seid und wisst es zu schätzen! Lebt, lacht und liebt! Darauf kommt es an, der Tod hat keine Taschen!

 

Mein besonderer Dank geht an die Nephrologie im Nierenzentrum/Helios Krefeld. Nicht nur die besten Ärzte, sondern auch Schwestern und Pfleger! Man mag nicht glauben wie das zur Heilung beiträgt, wenn man gut versorgt ist!!! Sogar das Essen hat geschmeckt. Diese Ärzte werden immer meine Helden bleiben, auch wenn sie "nur" ihren Job machen!